Tischler arbeiten in der Werkstatt an neuen Möbeln

Handwerker-Website: 7 Gründe

7 Gründe für Ihre Handwerker-Website

– Sie sind Handwerker oder Gewerbetreibende, Kleinstunternehmer oder Selbstständige? Wunderbar! Wirtschaft und Gesellschaft, wir alle brauchen Menschen wie Sie! Menschen, die anpacken, eigene Ideen verwirklichen, Dinge vorantreiben und Ziele erreichen wollen. Und damit Ihre potenziellen Kunden wissen, was Sie tun und warum Sie so gut sind darin, brauchen Sie auch eine eigene, professionell erstellte Website für Ihr Marketing. Ich nenne Ihnen hier sieben Gründe dafür.

Unternehmen u. Beschäftigte nach Beschäftigten-Größenklassen 2017

Wichtigste Output-Indikatoren nach Besch.-Größenklassen 2017

Wie wichtig Sie als Kleinstunternehmen sind, zeigen diese Zahlen: 87% aller Unternehmen in Österreich sind Einzel- oder Kleinstunternehmen (mit bis zu 9 Beschäftigten). Sie sorgen damit für 25% aller Arbeitsplätze und 11% der Lehrstellen (Quelle: Statistik Austria).

Jedoch viele Gewerbebetriebe, die in ihrem Business gut sind und deshalb die Notwendigkeit einer Webseite erkannt haben, verfügen über einen wenig einladenden Webauftritt. Der Gedanke „Hauptsache irgendeine Website“ funktioniert hier aber nicht. Denn eine der größten Herausforderungen für alle Kleinstunternehmen ist die Gewinnung neuer Kunden. Und eine gute Website kann folgendes leisten:

1. Kontaktaufnahme vereinfachen

Mit einer guten Website machen Sie es Ihren Kunden leicht, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Jemand benötigt einen Tischler, hat aber keine Telefonnummer parat? Auf der Website des Tischlereibetriebs steht die Firmen-Telefonnummer an prominenter Stelle, und noch besser: mit einem Fingertipp darauf übernimmt das Mobiltelefon die Nummer und ruft gleich bei Ihnen an!

Oder: Mit einem Klick auf die angeführte Email-Adresse verschickt der potenzielle Kunde eine Anfrage in Sekundenschnelle. Auch ein Kontaktformular mit Feldern zum Ausfüllen ist sehr hilfreich: so kann jede*r rasch eine einfache Nachricht mit Kontaktdaten hinterlassen, und Sie rufen zurück, sobald es Ihnen möglich ist.

Wie überall gilt auch hier: Versetzen Sie sich in die Lage des- oder derjenigen, die Ihre Dienste in Anspruch nehmen möchte. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Kunden rasch und unkompliziert mit Ihnen in Kontakt treten können. Das ist der erste Schritt zu einem neuen Auftrag!

2. Neue Kunden gewinnen

Im zweiten Schritt können Sie Interessenten zu zahlenden Kunden machen. Eine gute Website dient nämlich auch dazu, Ihr Unternehmen und Ihre Dienstleistungen bzw. Ihre Produkte zu präsentieren. Eine ansprechende und benutzerfreundliche Webseite ist daher eine gute Möglichkeit, potenzielle Kunden zu zahlender Kundschaft zu machen.

Machen Sie deshalb in aller Kürze deutlich, was Ihre drei wichtigsten Services sind! (Für einen Tischler könnte das beispielsweise heißen: Maßmöbel – Küchenmontage – Fenstertausch.) Eine kurze Beschreibung macht dem User klar, ob er mit seinem Wunsch bei Ihnen richtig ist. Und dann greift er zum Telefon!

Während Sie Ihrer Arbeit nachgehen…

… erledigt die eigene Firmen-Website die Kundenakquise!

Modedesignerin macht Entwürfe am Computer
Elektriker bei Überprüfung eines Zählerkastens

3. Kundenbindung schaffen

Es gibt viele Möglichkeiten, eine Bindung zum Kunden herzustellen. Die beste und einfachste ist, wenn Sie sich selbst vorstellen und authentisch präsentieren. Das schafft eine Nähe zum Kunden. Sie sind nicht irgendein anonymer Handwerksbetrieb, sondern zeigen ein Gesicht und erzählen eine Geschichte. Außerdem können Sie Ihr Team mit ansprechenden Fotos bei der Arbeit vorstellen und andere persönliche Aspekte auf Ihrer Website platzieren. Beispielsweise was Sie bei der Arbeit motiviert oder was Ihnen wichtig ist. So wirkt die Seite persönlich und erzeugt Vertrauen.

Wichtig: Gesichter auf der Website wirken freundlich und authentisch. Verwenden Sie aber keine Stockfotos. Engagieren Sie einen Fotografen und stellen Sie die Bilder auf Ihre Website. ⁠Dies weckt ein Gefühl von Vertrautheit.⁠

4. Präsentation der eigenen Arbeit – Referenzen und Testimonials

Die Referenzen auf der Website sind ebenfalls sehr wichtig für die Kaufentscheidung des potenziellen Kunden. Sie leisten in dem Moment keine aktive Überzeugungsarbeit. Das macht Ihre Onlinepräsenz automatisch für Sie. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein potenzieller Kunde Sie kontaktiert.

Wenn Ihre Kunden mit Ihrem Service oder Ihrem Handwerk zufrieden sind, sollten das auch die Besucher Ihrer Website sehen. Zu Ihren Referenzen gehören positive Statements der Auftraggeber. Das stärkt die positive Wahrnehmung Ihres Unternehmens nach außen.

Egal welches Handwerk oder Gewerbe: Fotos von Ihren Referenzprojekten gehören auf die Website und sollten dabei die komplette Bandbreite des Unternehmens abbilden. Der Kunde sieht dann sehr schnell, ob Ihr Unternehmen für sein Projekt geeignet ist. Deshalb muss ersichtlich sein, ob Ihr Betrieb kleinere Aufträge übernimmt, nur im Industriemaßstab arbeitet oder für Aufträge jeder Größe der richtige Ansprechpartner ist.

5. Suchmaschinen lieben Websites – auch Ihre!

Die meisten Interessenten, die nach einem Dienstleister suchen, machen das mittels Suchmaschinen wie Google. Innerhalb kürzester Zeit werden hier verschiedene Betriebe in der Region aufgelistet. Der Trick dabei: Unternehmen, die über eine eigene Website verfügen, werden von Google höher bewertet. Vor allem, wenn die Website professionell erstellt und für die Suchmaschine optimiert wurde. Dabei sind nicht nur Bild- und Textinhalt, sondern auch die sogenannten Meta-Tags wichtig.

Kurzum: eine eigene Website dient auch dazu, Ihre Suchergebnisse bei Google erheblich zu verbessern. Zusätzlich empfehle ich, die Google My Business Informationen umfassend zu pflegen und mit Fotos und Kundenrezensionen zu ergänzen.

Bilden Sie Ihre Tätigkeit ab!

Referenzfotos und Bilder Ihrer Arbeit erzeugen Vertrauen und bringen neue Kunden.

Schneiderin beim Designentwurf mit Kreide und Maßband

6. Auf Regionalität setzen

Regionale Wirtschaftsverbände bieten oftmals Gelegenheit, die Firmen- und Kontaktdaten einzutragen. Sorgen Sie dafür, dass viele Plattformen (wie z.B. die WKÖ, Herold, MyHammer, FirmenABC usw.) Ihre Website, E-Mail-Adresse und Telefonnummer eintragen. Sie sind so leichter auffindbar und die „starken“ Websites der Anbieter zeigen auf Ihre Website – und werten Sie damit auf.

Die Einbindung von Google Maps oder ähnlichen Diensten auf Ihrer Website hilft enorm, Kunden zu Ihrer Website zu leiten, wenn diese beispielsweise nach „Tischler im Raum Seekirchen“ suchen. Darüber hinaus ermöglichen Sie es potenziellen Kunden, einfach bei Ihnen in der Firma vorbeizuschauen und sich zu informieren, wie Sie arbeiten.

Rufen Sie jetzt an und vereinbaren Sie einen Beratungstermin für Ihre neue Firmen-Website.

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7. Mit Social Media koppeln

Koppeln Sie Ihre Firmen-Website mit Ihren Social-Media-Profilen. Wenn möglich, nehmen Sie dafür die Unternehmensaccounts (statt der persönlichen), oder erstellen Sie dafür ein neues Unternehmerprofil.

Das Ziel ist, gegenseitig auf Website und Unternehmensprofil zu verweisen. Tragen Sie ihre Website in Ihrem Firmenprofil bei Facebook, Instagram, LinkedIn oder Xing ein – und platzieren Sie im Gegenzug auf der Website Ihre Social-Media-Profile. Das erhöht noch einmal die Präsenz und Glaubwürdigkeit Ihrer Firmenwebsite und hilft Kunden bei der Suche nach Ihren Dienstleistungen. Für Interessenten die z.B. viel auf Facebook sind, ist es dann noch leichter mit Ihnen in Kontakt zu treten.

Fotos: stock.adobe.com / LIGHTFIELD STUDIOS, nenadaksic, guruXOX, wavebreak3; Pixabay.com

Gruppe von älteren Radfahrern beim Ausflug

Zielgruppe definieren: 5 Tipps

Fünf Tipps, wie Sie Ihre Zielgruppe definieren

– Sie starten gerade Ihre Unternehmung, haben ein revolutionäres Produkt entwickelt oder wollen mit einer neuen Dienstleistung zusätzliche Kunden gewinnen? Excellent! Ihr Unternehmergeist und Wagemut werden belohnt, wenn Ihr Angebot auch die richtigen Kunden erreicht.

Doch wie finden Sie die passende Zielgruppe? Welche Menschen sind offen und bereit für Ihr Business? Wie erreichen Sie mit Ihren Marketingmaßnahmen jene Personen, die Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung kaufen wollen?

Eine gute Basis für effiziente Marketingmaßnahmen ist die Definition von relevanten Zielgruppen. Diese sollte am Beginn Ihrer Marketingkonzepte, Werbeideen und Vertriebsmaßnahmen stehen. Je genauer Sie diese Überlegungen anstellen, umso besser ist jeder Euro im Marketing investiert – und umso schneller werden Sie mit Ihrem Produkt, Ihrem Service oder Ihrer Idee Geld verdienen! Hier nun die fünf wichtigsten Punkte, wie Sie Ihre relevanten Zielgruppen definieren:

1. Beschreiben Sie, was Ihr Unternehmen, Ihr Produkt bzw. Ihre Dienstleistung besonders gut kann

Zu Beginn werden Sie sich über folgende Punkte klar:

  • Wofür stehen Sie als Unternehmen, was sind Ihre Werte und Ziele?
  • Überlegen Sie genau, was Sie anbieten! Wo haben Sie besonders große Erfahrung?
  • Was unterscheidet Sie von Mitbewerbern? Was kann Ihr Produkt besser als andere?
  • Welchen Nutzen hat Ihr Produkt, Ihre Dienstleistung? In welcher Lebenslage helfen Sie damit Ihren Kunden?

Beispiel: Ihre Baufirma bietet Holzhäuser in Massivbauweise an. Sie verwenden dafür vor allem nachhaltige Baustoffe und fertigen das ganze Haus vom Keller bis zum Dach. Die Planung kann besonders flexibel auf Kundenwünsche eingehen. Das Haus ist innerhalb von sechs Wochen nach Aushub der Baugrube aufgestellt und bezugsfertig.

2. Überlegen Sie, welche Kunden Sie damit ansprechen möchten – und welche nicht

Um hier gleich einem Missverständnis vorzubeugen: Ihre Zielgruppe ist nicht jeder, der Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung braucht und kaufen will. Es ist daher ein wichtiger Schritt, die Kernzielgruppe für Ihr Angebot herauszufinden. Je nachdem welche „Wunschkunden“ Sie erreichen möchten, wählen Sie dann entsprechende Marketingmaßnahmen und Werbeaktivitäten aus. Jugendliche haben eben andere Bedürfnisse als Senioren, genau so wie Paare sich für andere Dinge interessieren als Singles. Schließen Sie auch bewusst Kundengruppen aus, die Sie nicht mit Ihrem Produkt oder Ihrem Service versorgen möchten.

  • Welche Kunden möchten Sie ansprechen? In welcher Altersgruppe, welcher Region, welchem Preissegment befinden sie sich?
  • Wer passt zu Ihnen bzw. zu Ihrem Unternehmen, fachlich und menschlich?
  • Welche Zielgruppen möchten Sie nicht ansprechen, welche überlassen Sie Ihrer Konkurrenz?

Beispiel: Sie betreiben ein Radhotel am Innradweg und möchten das Angebot für ältere Radfahrer*innen ausbauen. Die Zimmer sind ruhig und großzügig, und die Speisekarte wird mit guten Weinen und feinen regionalen Gerichten aufgewertet. Es gibt eine Ladestation für E-Bikes, und bei kleineren Reparaturen hilft das Hotelpersonal. Über eigene Familienzimmer verfügt das Hotel dagegen nicht.

3. Beschreiben Sie die Zielgruppe nach diesen Merkmalen

Nun stellt sich die zentrale Frage: „Für wen ist mein Angebot nützlich?“ Um ein besseres Gefühl für mögliche Eingrenzungen Ihrer Zielgruppe zu bekommen, können Sie sich Anregung bei Zielgruppenmodellen (z.B.: Sinus-Milieus, Sigma-Milieus oder das Lebensphasenmodell) holen, welche die Gesellschaft nach verschiedenen Kriterien in unterschiedliche Gruppen einteilen. Beachten Sie dabei, dass diese Modelle sehr allgemein sind und nur einen Anhaltspunkt geben können. Zur Beschreibung Ihrer Zielgruppe verwenden Sie:

  • Demografische Merkmale, wie: Geschlecht, Alter, Wohnort/Region, Familienstand
  • Sozioökonomische Merkmale, wie: Bildung, Beruf, Einkommen, Kaufverhalten
  • Psychografische Merkmale, wie: Werte, Einstellungen, Interessen, Aktivitäten, Vorlieben

Beispiel: Eine Zielgruppe des Radhotels sieht wie folgt aus: Berufstätige Paare, 50-65 Jahre, verheiratet, wohnhaft im Einfamilienhaus in Niederösterreich; gut ausgebildet, im Beruf Beamte/Unternehmer, überdurchschnittliches Einkommen, qualitätsbewusst; fahren gerne mit dem Fahrrad, achten auf ihre Gesundheit und genießen die Natur; sie entdecken gern neue Regionen und Radtouren, sind gesellig und kommunikativ.

4. Finden Sie so viel wie möglich über Ihre Zielgruppe heraus

Um Ihre neuen Kunden so gut als möglich zu beschreiben, sollten Sie viele Informationen sammeln. Das können Umfragen bei bestehenden Kunden sein (z.B. Feedback von Hotelgästen), Kundengespräche bei Fachmessen oder Online-Umfragen (z.B. auf Facebook). Hilfreich ist auch die Auswertung von Google-Analytics-Daten und die Beobachtung Ihrer Mitbewerber.

Wer sind meine Kunden?

Wie werden Radtouristen auf das Radhotel und junge Familien auf Massivholzhäuser aufmerksam?

Gruppe von Radtouristen bei einer Radwanderung
Junge Familie mit Zeichnung von neuem Eigenheim

5. Formen Sie „Personas“ aus Ihren jeweiligen Zielgruppen und beschreiben Sie diese detailliert

Nun geht es darum, sich einen idealtypischen Vertreter Ihrer Zielgruppe genauer auszumalen. Personas helfen Ihnen dabei, Ihre Angebote und Produkte auf deren Bedürfnisse passgenau zuzuschneiden. Es ist unerheblich, ob Sie sich beim Entwerfen einer Persona an einer fiktiven Figur oder an einer realen Person orientieren. Zu den wichtigsten Leitfragen gehören unter anderem:

  • Was bewegt diesen Vertreter der Zielgruppe?
  • Welche Interessen hat er? Wie ist der Lebensstil?
  • Was sind seine Ziele und Wünsche?
  • Welche konkreten Probleme hat er, die ich lösen kann?
  • In welchen Medienkanälen bewegt er sich?
  • Wie trifft die Person Kaufentscheidungen? Wird sie dabei von anderen beeinflusst?

Beispiel: Die Personas der Zielgruppe für Ihre Massivholzhäuser könnten sein: Norbert (38) & Sabine (37), zwei Kinder (8 und 5 Jahre), verheiratet, er ist technischer Zeichner, sie ist Lektorin an der Uni Salzburg. Die Familie wohnt derzeit in einer 90qm-Mietwohnung in Anthering, das HH-netto beträgt 4500,-

Das Paar braucht mehr Platz für die wachsende Familie und möchte daher ein eigenes Haus bauen. Es soll gut geplant sein und schnell aufgestellt werden können. Beide sind gut ausgebildet, besuchen Baumessen und informieren sich vorwiegend online. Bevorzugte Social-Media-Kanäle sind Instagram, Facebook und Whatsapp.

Wer ist Ihre Zielgruppe?

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Und diese Fehler sollten Sie bei der Zielgruppendefinition vermeiden:

  • Sich über „Wunschkunden“ erst gar keine Gedanken zu machen, weil sich Ihr Produkt sowieso von selbst verkaufen wird.
  • Eine gute Beschreibung Ihrer Zielgruppe nicht für notwendig zu erachten, weil Sie ja schon viele Kunden haben.
  • Die Zielgruppe möglichst groß zu definieren, um ja keine potenziellen Kunden auszuschließen!
  • Bei der Zielgruppendefinition von den eigenen, persönlichen Werten, Vorlieben und Kaufentscheidungen auszugehen.
  • Ihre Zielgruppen zu fremd oder zu kompliziert zu gestalten, besonders wenn die Vorstellungen überspitzt sind.
  • An Ihren schließlich mühsam erarbeiteten Personas festzuhalten und keinesfalls Anpassungen vorzunehmen!

Bei alldem vergessen Sie bitte nicht, dass Ihre Kunden immer noch Menschen sind, und keine Kategorien. Menschen sind verschieden, oft anspruchsvoll und immer für Überraschungen gut.

Fotos: stock.adobe.com / Robert Kneschke (3)

Person denkt über Datenschutz nach

DSGVO in 10 Punkten

DSGVO kompakt in zehn Punkten

– Sind Sie im Bilde, was die EU-DSGVO betrifft? Wissen Sie, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, damit personenbezogene Daten im Marketing, im Vertrieb und im Personalwesen richtig verarbeitet und verwendet werden? (Anm.: Der Blogpost erschien erstmalig am 1.3.2018 auf Smarkeding.)

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist seit 25. Mai 2018 EU-weit anzuwenden. Für Unternehmen – und besonders für die fleißigen Datensammler – gilt es seither einiges zu beachten. Konsumenten und Internetuser hingegen sind in ihren Rechten gestärkt worden und können besser über ihre Daten verfügen. Man könnte auch sagen: „Big Brother is watched by EU!“

Hier meine zehn wichtigsten Punkte zur Datenschutzgrundverordnung:

1. Was regelt die EU-DSGVO?

Die EU-Verordnung Nr. 2016/679 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, zum freien Datenverkehr und zur Aufhebung der Richtlinie 95/46/EG (Datenschutz-Grundverordnung) ist mit 25. Mai 2016 in Kraft getreten und ist nach einer 24-monatigen Frist mit 25. Mai 2018 anzuwenden. Sie vereinheitlicht nun die Regelungen für die Verarbeitung von personenbezogenen Daten durch private Unternehmen und öffentliche Stellen EU-weit.

2. Was sind die wesentlichen Eckpfeiler?

  • Stärkung der Betroffenenrechte, als da wären: mehr Transparenz, die Verankerung des Rechts auf Vergessenwerden. Außerdem: Die Einwilligung zur Verarbeitung der Daten muss freiwillig, aktiv und eindeutig gegeben werden!
  • Neuer Fokus auf die Datensicherheit, wie z.B.: verpflichtende angemessene Sicherheitsvorkehrungen. Datenmissbräuche und Sicherheitsverletzungen müssen den Aufsichtsbehörden gemeldet werden.Sowohl Verantwortliche als auch Auftragsverarbeiter sind rechenschaftspflichtig.
  • Verpflichtend ist die Bestellung von Datenschutzbeauftragten im öffentlichen Bereich und Unternehmen mit Kerntätigkeit Datenverarbeitung.Für sensible Daten (wie etwa zur Herkunft, zur sexuellen Orientierung oder zur politischen Meinung, aber auch biometrische und Gesundheitsdaten) gelten besondere Bestimmungen.
  • Erhöhter Strafrahmen bei Verletzung der DSGVO: Strafen bis zu 20 Millionen Euro bzw. 4 Prozent des Konzernumsatzes sind möglich.

3. Für wen gilt die DSGVO?

Ausschließlich natürliche Personen (Internetuser, Konsumenten, Arbeitnehmer) genießen den Schutz der DSGVO. Juristische Personen (z.B. AG, GmbH, KG) haben kein Recht auf Datenschutz. Als Datenverarbeitung im Sinne der Verordnung gilt bereits eine teilautomatisierte Speicherung oder Kategorisierung von personenbezogenen Daten durch private Unternehmen oder öffentliche Stellen – also praktisch jede Ablage in einer Kundenkartei, einer Exceldatei, einer Datenbank oder im CRM der Vertriebsabteilung.

4. Das sind die Grundsätze der DSGVO

  • Zweckmäßigkeit: Welchen Zweck hat die Verarbeitung der Daten? Personenbezogene Daten sind zu löschen, falls kein Zweck (mehr) vorhanden ist.
  • Rechtmäßigkeit: das kann eine Vertragserfüllung sein, die Zustimmung des Betroffenen, oder auch eine Interessenabwägung.
  • Datenminimierung: es dürfen nur die für den Zweck benötigten Daten gespeichert werden, aber nicht mehr!
  • Richtigkeit: die Daten müssen richtig sein (siehe auch „Recht auf Berichtigung“).
  • Speicherbegrenzung: Daten sind zu löschen, wenn sie nicht mehr benötigt werden (s.o.).
  • Integrität und Vertraulichkeit: der Verantwortliche hat dafür zu sorgen, dass die Daten sicher gespeichert sind (z.B. durch Installierung einer Firewall und andere Maßnahmen gegen Hacking und Computerviren).
  • Transparenz: jeder Betroffene darf erfahren, welche Daten über ihn gespeichert sind.

5. Wer sind die Mitwirkenden?

  • Verantwortlicher (früher: der „Auftraggeber“): so wird die natürliche oder juristische Person, die Behörde, die Einrichtung oder jede andere Stelle bezeichnet, die allein oder gemeinsam mit anderen über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet.
  • Datenschutzbeauftragter: seine weitreichende Kontrollfunktion stellt sicher, dass die Daten im Sinne des DSGVO verarbeitet werden; in seiner Beratungsfunktion leistet er dem Unternehmen oder der öffentliche Institution kompetente Unterstützung.
  • Auftragsverarbeiter (früher: der „Dienstleister“): ist jedes Unternehmen, das im Auftrag des Verantwortlichen personenbezogene Daten (weiter)verarbeitet. Das kann ein Webhost sein, eine Werbeagentur, ein Steuerberater; das sind aber auch Google und Facebook. Wichtig: verpflichtend ist ein schriftlicher Vertrag (in Österreich gilt als solcher auch ein Email). Und: die beauftragten Subunternehmer müssen dem Verantwortlichen bekannt gemacht werden!
  • Mitarbeiter: z.B. im Personalwesen, im Kundenservice oder im Marketing sind im Sinne der DSGVO zu schulen, eine Verschwiegenheitsvereinbarung ist Pflicht.

Das Sammeln von personenbezogenen Daten …

… ist einem genauen Regelwerk unterworfen.

6. Die Betroffenenrechte werden gestärkt!

Für uns User, Nutzer, Konsumenten und Arbeitnehmer ist die DSGVO erstmal ein Schritt in die richtige Richtung: Wir können erfahren, wer welche Daten von uns gespeichert hat – und mehr als bisher entscheiden, was damit passieren soll. Es ist zumindest ein Versuch, den großen Datensammlern zu verdeutlichen, dass die Menschen selbst über ihre Daten verfügen können.

  • Recht auf Auskunft
  • Recht auf Berichtigung
  • Recht auf Löschung
  • Recht auf Einschränkung der Verarbeitung
  • Recht auf Datenübertragbarkeit
  • Mitteilungspflicht des Verantwortlichen an alle Empfänger
  • Recht auf Widerspruch
  • Regelungen betreffend automatisierte Generierung von Einzelentscheidungen einschließlich des sogenannten „Profiling“

Generell gilt, dass der Verantwortliche geeignete Maßnahmen treffen muss, um der betroffenen Person alle Informationen und alle Mitteilungen in präziser, transparenter, verständlicher und leicht zugänglicher Form in einer klaren und einfachen Sprache zu übermitteln, und das alles in angemessener Frist (längstens ein Monat). Genauere Ausführungen dazu auf der Website der WKO.

7. Pflichten für Verantwortliche und Auftragsverarbeiter

Das positive vorab: die DSGVO kennt keine Pflicht zur Registrierung bei der Datenschutzbehörde mehr, die DVR-Nummer ist bald hinfällig. Die Verarbeitung personenbezogener Daten muss stattdessen sehr umfangreich und genau dokumentiert werden. Das dient auch dazu, im Bedarfsfall die Betroffenenrechte (s.o.) schnell und umfassend wahren zu können. Und wie schon im DSG 2000 ist auch der Auftragsverarbeiter (die Werbeagentur, der Webhost) verpflichtet, diesen Informationspflichten nachzukommen. Das sind grob die Pflichten:

  • Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten
  • Auftragsdatenverarbeitungsverträge (bei Outsourcing)Meldung von Datenschutzverletzung
  • Datenschutz-Folgenabschätzung
  • Vorherige Konsultation der Aufsichtsbehörde (bei vorhersehbar hohem Risiko der Datenverarbeitung)
  • Verpflichtender Datenschutzbeauftragter (bei gewissen Voraussetzungen)

8. Was muss ein Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten enthalten?

Neben den Grundangaben zum Unternehmen (des Verantwortlichen) müssen die Bezeichnung der Verarbeitungstätigkeit (z.B. Newsletterversand),  Datenkategorien (etwa Kundenstammdaten und Nutzungsverhalten), die betroffene Person (also Kunden, Interessenten, Websitebesucher usw.), Zwecke (Adressierung der Ansprache, Nachweis wirksamer Einwilligung), Rechtsgrundlage, Datenquelle, Information der Betroffenen, Empfänger, Löschung, Schutzmaßnahmen (technische und organisatorische Maßnahmen) genannt und ausgeführt werden.

9. Was bedeutet die DSGVO für das Marketing?

Um Daten gesetzeskonform laut DSGVO verarbeiten zu können, steht Marketingabteilungen und Werbeagenturen noch viel Arbeit bevor. Wir im Marketing sind kreativ und finden immer Wege, unsere Kunden bestmöglich zu erreichen. Dass die Rechte von Betroffenen gestärkt werden, kann – neben verschiedenen Einschränkungen oder erhöhtem Aufwand – aber auch neue Chancen eröffnen. Und zwar, indem wir den Kunden unserer Produkte und Dienstleistungen, den Nutzern unserer Websites und Apps auf Augenhöhe gegenübertreten.

  • Der Außenauftritt ist entsprechend anzupassen (Website, Datenschutz-Erklärung).
  • „Profiling“ wird schwieriger. Das betrifft in erster Linie Google, Facebook, Amazon usw., hat dadurch aber Auswirkungen auf Maßnahmen wie Retargeting, Machine Learning oder Zielgruppenrecherche.
  • Das Sammeln – und auch der Zukauf – von personenbezogenen Daten ist weiterhin möglich, die Daten können aber nicht mehr so ohne weiteres für alle anderen Zwecke verarbeitet oder verkauft werden. Beispiel: das Gewinnspiel mittels Postkarte, Coupon oder der beliebten „Autosammelbox“.
  • Eine Weiterverarbeitung von Daten zu einem anderen Zweck (z.B. für die Zusendung des Newsletters) ist nur zulässig, wenn es mit dem ursprünglichen Zweck vereinbar, oder eine Einwilligung des Betroffenen vorhanden ist.
  • Biometrische Daten wie Fingerabdruck, Stimme, Iris oder Gesichtsstruktur unterliegen einem besonderen Schutz. Die Identifikation von Personen, etwa für die Entsperrung elektronischer Geräte mittels Fingerprintsensor oder Gesichtsscan, aber auch die Kommunikation mit Geräten wie Amazon Echo oder Google Home ist daher neu zu bewerten.
  • Gesundheitsdaten sind ebenfalls als sehr sensibel einzustufen. Die Frage, was mit Daten passiert, die mittels Fitnesstracker, Smartwatches und Gesundheitsapps ermittelt – und verarbeitet – werden, ist besonders spannend. Wie gehen Versicherungen, Krankenkassen und Arbeitgeber mit solchen Daten um?

10. Was sind die wichtigsten Schritte?

Wenn nicht schon geschehen, ist zuerst ein Datenschutz-Projektleiter festzulegen. Der wird die nächsten Wochen sehr viel zu tun haben, unter anderem:

  • Daten aufspüren, kategorisieren, Zweck der Verarbeitung festlegen
  • Verarbeitungsvorgänge definieren
  • Verzeichnis der Verarbeitungsvorgänge anlegen
  • Außenauftritt überarbeiten
  • Verträge aktualisieren (z.B. Dienstvertrag)
  • Informationspflichten vorbereiten (siehe „Betroffenenrechte“)
  • Mitarbeiter schulen

Für alle, die genauere Informationen benötigen, hat die WKO alle wichtigen Begriffe, Grundsätze und Regeln zusammengestellt. Und in diesem Quiz der DGQ kannst du dein Wissen testen.

Wie weit bist du bereits mit den Vorbereitungen auf die DSGVO? Gibt es noch weitere Fragen dazu? Welche Meinung hast du zum Umgang mit Daten in der EU? Ich freu mich auf deinen Kommentar!

Fotos: stock.adobe.com / Dada Lin, Pixabay (2)

Unter Tag Bergbau erleben

Unter Tag Bergbau erleben

– Ein sehr prägender Moment war jener, als wir im Bergwerk Prosper-Haniel in den Korb stiegen und anschließend mit sechs Metern pro Sekunde Richtung Erdmittelpunkt fuhren. Eineinhalb Minuten später und 1200 Meter tiefer machten wir uns auf den Weg in den Stollen, um den Steinkohleabbau hautnah zu erleben. (Anm.: Der Blogpost erschien erstmalig am 6.12.2017 auf Smarkeding.)

In aller Frühe

Noch schnell ein Morgenkaffee um 5:30 Uhr im Hotel, bevor wir zum Bergwerk gebracht werden. Nachdem wir uns den Schlaf aus den Augen gerieben haben, präsentiert uns Wolfgang Dolfen, der Bereichsleiter Belegschaftsschutz des Standorts, beeindruckende Zahlen zum Bergbau allgemein und zu „seiner“ Grube im Speziellen. Das dazu gereichte Frühstück ist – wie die Kumpels vor Ort – einfach und herzlich, ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend hindert manche aber, ordentlich zuzulangen. Denn so eine Grubenfahrt birgt auch gewisse Risiken, weshalb sie nur für Menschen bei guter Gesundheit zwischen 18 und 60 Jahren zu empfehlen ist. Tausend Meter unter der Erde, bei Dunkelheit, künstlichem Licht, Lärm, Hitze, Staub und auf engem Raum, der nächste Notarzt etwa eine halbe Stunde entfernt: das ist eine fremde Welt. Das muss man sich auch trauen!

„Glück auf, der Steiger kommt!“

Wir trauen uns alle. Zuvor werden wir aber komplett neu eingekleidet: von der Unterhose bis zur Bergmannsjacke, von den Stiefeln bis zum Helm, von den Handschuhen bis zur Stirnlampe – alles zur eigenen Sicherheit. Das mulmige Gefühl will trotzdem nicht ganz weichen. Doch dann stimmt Jürgen das Steigerlied an, in alter deutscher Bergmannstradition. Mit der Melodie zu „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht, schon angezünd’t.“ bewegen wir uns Richtung Schachtanlage. Das Singen hebt die Stimmung in der Gruppe, dann wird noch ein gemeinsames Foto an der Oberfläche gemacht.

Wolfgang Dolfen gibt Anweisungen beim Frühstück.

Jeder wird von Kopf bis Fuß mit der Bergmannskluft eingekleidet.

Im „Korb“ 1200 Meter nach unten

So, jetzt sind wir bereit für die Grubenfahrt, Spannung sowie Vorfreude sind nahezu greifbar. Wir steigen in den sogenannten Korb, der in Prosper-Haniel zum Glück so groß dimensioniert ist, dass wir alle zusammen hineinpassen. Mit einem leichten Ruck löst er sich, und schon geht es – zuerst langsam, dann immer schneller – im Schacht mit bis zu sechs Metern pro Sekunde Richtung Erdmittelpunkt! Die Gespräche verstummen, während der nächsten eineinhalb Minuten macht sich gespanntes Schweigen breit. Der Korb bremst ab, und erleichtert begeben wir uns in 1200 Metern „Teufe“ Richtung Stollen.

Hier ist es erstaunlich geräumig, der Stollen ist mehrere Meter hoch, mit viel Eisen ausgeschlagen, und lässt noch keine Platzangst aufkommen. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg tiefer in den Stollen hinein, und langsam wird es schmäler. Wir zwängen uns an Förderbändern, Geräten und Rohren vorbei, bis wir nach etwa 15 Minuten bei der sogenannten Dieselkatze, einer Einschienenhängebahn im Bergwerksstollen, ankommen. Es riecht nach Kohlestaub, Öl und Feuchtigkeit, und uns bläst ein ordentlicher Wind – die Kumpels nennen das „Wetterzug“ – ins Gesicht. Das ist beabsichtigt und wichtig, um die im Bergbau entstehenden Gase, die „Wetter“, mit frischer Luft von oben auszutauschen, durch ausgeklügelte Luftführung.

Ein Foto noch bei Tageslicht, dann sind wir bereit für die Grubenfahrt. Es geht 1200 Meter in die Tiefe!

Mit der Dieselkatze in den Streb

Wir zwängen uns in die hintereinander angeordneten Sitze der Dieselkatze, ziehen den Kopf ein und machen es uns für die nächste Viertelstunde so gemütlich wie möglich. Los geht’s – rumpelnd setzt sich der zwanzig Meter lange Zug in Bewegung, mal bergauf, mal rechtsrum, mal linksrum. Mit unseren Lampen können wir die Stollenwände betrachten, die sehr nah an uns vorbeiziehen. Auch Förderbänder sind zu sehen, kilometerlang ziehen sie ihre Bahnen durch die Stollen, teilweise mit Abbaumaterial beladen. Das Ruckeln sowie das Klack-klack-klack der Dieselkatze wirkt einschläfernd; Wolfgang erzählt später, dass sie immer wieder mal Passagiere aufwecken mussten. Heute aber nicht, wir kommen alle wach und wohlbehalten an der Endstation an.

Doch es geht erst einmal weiter, wieder zu Fuß. Unsere Lampen bringen wir am Helm an, damit können wir besser sehen und haben die Hände frei. Gut so, denn es heißt aufpassen, überall: Das Gestein, der Boden, die Geräte, die Beleuchtung erfordern Aufmerksamkeit, überall laufen Rohre, Kabel, Bänder durch den Stollen, und der Weg ist uneben. Dann geht es wieder steil hinan, und mehrere Male müssen wir an „Fahrten“ – so nennt der Bergmann seine Leitern –  hoch- und runterklettern, wenn ein querendes Band oder eine Maschine zu überwinden ist. Doch bei jedem Hindernis steht ein Bergmann, ein Kumpel, und weist auf besondere Tücken und Gefahren hin. Sicherheit geht vor!

Ein Fotograf mit Spezialkamera hält unsere Grubenfahrt fest. Hier Charlotte, Heike und ich im „Streb“, der Abbaustelle.

Die Stimmung in der Gruppe ist gut. Der Weg wird aber enger.

Präzision und Technik

So gelangen wir zum Ziel unserer abenteuerlichen Reise: eine Abbaustelle, der sogenannte „Streb“, gestützt von 50 Tonnen schweren Schilden, die mit hydraulischer Gewichtskraft von bis zu 850 Tonnen dem Druck des Berges standhalten. Wir wähnen uns plötzlich in einem Transformer-Sequel, so unglaublich wirkt die Aneinanderreihung der riesenhaften Geräte auf 400 Metern Länge! Dabei haben sie eine äußerst wichtige Funktion: sie schaffen Platz für den Walzenschrämlader, einen SL 750, der die Kohle aus dem Berg schlagen und via Förderband abtransportieren soll. Wir können es kaum glauben, als sich der monströse Walzenlader in Bewegung setzt und vor unseren Augen an der hinteren Wand des Strebs entlangfährt. Binnen Minuten landen Tonnen von Kohleflöz auf dem Förderband – bei einer Arbeitsgeschwindigkeit von zehn Metern pro Minute. Überwältigt von der Präzision, der massiven Technik, den enormen Dimensionen und den schieren Kräften, die hier am Werk sind, machen wir uns auf den Rückweg. Wie selbstverständlich bewegen wir uns nun durch den Stollen, besteigen die Dieselkatze für die Rückfahrt und lassen uns zurück Richtung Schacht schaukeln. Viele Fragen schälen sich aus den Eindrücken, manche können Werner und Wolfgang auf den letzten Metern Fußmarsch beantworten. Endlich ist der Schacht in Sicht, und erleichtert können wir nach einer kurzen Wartezeit die Fahrt nach oben antreten. Die Gesichter sind schmutzig, die Kleidung ist verschwitzt, der eine oder andere hat auch ein Stückchen Steinkohle in die Jackentasche gepackt. Und einhellig sind wir alle der Meinung: Das war unpackbar, phänomenal, abenteuerlich und unvergesslich!

Die Bergmänner oder „Kumpel“ führen uns durch die Stollen. Der Beruf ist sehr fordernd und genießt hohes Ansehen.

Die Zukunft liegt über Tage

So viel Abenteuer macht hungrig, zum Glück wissen das auch die Jungs von der RAG. Bei der deftigen Jause im Gemeinschaftsraum werden die vielen Eindrücke sortiert, Fragen gestellt und Erfahrungen ausgetauscht. Klar ist: nur mehr etwas über ein Jahr wird in Prosper-Haniel Steinkohle abgebaut, 2019 wird es in Deutschland keinen subventionierten Steinkohlebergbau mehr geben. Die Zukunft des Ruhrpotts wird dann über Tage stattfinden, und die Zechen, Schächte und Kokereien werden als Industriedenkmäler an frühere Zeiten erinnern. Schade irgendwie.

Nach dem gemütlichen Beisammensitzen kehren wir auch in Gedanken wieder an die Oberfläche zurück, wir streifen die Bergmannskleider ab und waschen uns unter der Dusche den Kohlestaub aus dem Gesicht. Der freie Nachmittag im Hotel oder in der Stadt bietet Gelegenheit, das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen. Bei einer Currywurst zum Beispiel.

Nach bestandenem Abenteuer können die vielen Eindrücke bei einer deftigen Jause ausgetauscht werden.

Zum Bergwerk Prosper-Haniel:

Es war das letzte aktive Steinkohlen-Bergwerk in Bottrop. Das Bergwerk wurde am 21. Dezember 2018 in einem offiziellen Festakt geschlossen, nachdem dort am 14. September die letzte Kohle im Regelbetrieb gewonnen worden war. Im Jahre 1974 hatte die Ruhrkohle AG die Zechen Prosper, Jacobi und Franz Haniel zum Verbundbergwerk Prosper-Haniel zusammengefasst. Das Abteufen des Schachtes 1 begann im August 1856 und 1860 wurde in 175,9 m Teufe das Steinkohlengebirge erreicht. Die Förderung begann 1863 mit 315 Arbeitskräften. Im östlichen Grubenfeld begannen 1921 die Abteufarbeiten im Feld Franz Haniel. Das Bergwerk Prosper-Haniel ging 1998 in den Besitz der Deutsche Steinkohle AG über. Im Mai 2011 wurde von Oberbürgermeister Bernd Tischler die 7. Sohle in 1159 Metern Teufe eröffnet. Die Jahresproduktion lag um 2005 bei vier Millionen Tonnen Förderung und zwei Millionen Tonnen Kokserzeugung. 4100 Mitarbeiter werden beschäftigt. (Quelle: WAZ)

Weitere Markentag des BCA fanden in der Tabakfabrik Linz und bei KTM statt.

Titelbild: RAG; Fotos: RAG (6), BCA (3); Goseteufel (1)

Schachtanlage Franz Haniel

Die Marke KTM

KTM, oder: „Kana Trautsi Mitfoahn“

– Die Motorräder von KTM sind überall dort, wo es abartig schnell oder unbequem rau wird. Wo die Maschine seinen Reiter in Geschwindigkeitsbereiche katapultiert, die keine Zeit mehr zum Nachdenken lassen, sondern schnelle Reflexe erfordern. Und genau so sehen die Geräte aus – ganz nach dem Motto: „READY TO RACE“! (Anm.: Der Blogpost erschien erstmalig am 14.5.2017 auf Smarkeding.)

Eine österreichische Traditionsmarke auf Welteroberungskurs – das klingt nach OMV, Palfinger, Red Bull oder Swarovski, unbedingt auch nach: KTM (kurz für: Kronreif, Trunkenpolz, Mattighofen – oder wie Klaus formuliert: „Kana Trautsi Mitfoan“!). Der Motorradhersteller aus Oberösterreich hat viele Höhen und Tiefen erlebt und ist nach wechselvoller Geschichte Europas größter Bike-Produzent. Die Produkte der KTM GROUP konnten bereits 16 Rallye-Dakar-Siege erringen und mehr als 270 Weltmeistertitel einheimsen. Durch die Erfolge in der Moto3-WM und den Einstieg in die MotoGP in der Saison 2017 hat sich KTM auch als feste Größe im Straßenbereich etabliert.

Scharfes Design

Seit Gerald Kiska mit seinem Designstudio für die scharfe Zeichnung der KTM-Bikes verantwortlich ist, sind Farben und Design so wie die Motorräder: Aaaarrrg! Sogar die kleine 390 DUKE wirkt schon im Stand schnell, man würde ihr die Fahrleistungen der größeren Geschwister ohne weiteres zutrauen. KTM hat mit Husqvarna Motorcycles nun auch eine Traditionsmarke mit 113 Jahren Geschichte im Portfolio, und bietet damit beste Voraussetzungen für einen spannenden Markentag des Brand Club Austria (BCA) bei KTM.

Schon im Stand schnell: die KTM Duke macht Freude

1000 Bikes pro Tag

Wir sind etwa 30 TeilnehmerInnen des Markentages und starten gleich mit einem Rundgang durch die Produktion. Auf vier identen Fertigungslinien mit jeweils 17 Stationen bauen je 36 Mitarbeiter die Motorräder zusammen – in nur 50 Minuten ist ein Bike fertig (je nach Modell)! Wenn es sein muss, verlassen an einem Tag gar 1000 KTM-Bikes die Produktionshalle. Dabei besteht so ein Motorrad aus bis zu 800 Einzelteilen! Detail am Rande: alle Laufräder werden gleich nebenan selbst montiert und zentriert. So kann die Qualität dieses wichtigen Bauteils gewährleistet werden.

KTM beschäftigt knapp 3000 MitarbeiterInnen weltweit, 2500 davon in Österreich. Alle Modelle werden in Mattighofen produziert, außer der kleinen Kubaturen der RC und Dukes, welche beim Partner Bajaj in Indien gefertigt werden.

Auf der Montagelinie entsteht alle 50 Minuten eine neue KTM

Beeindruckende Zahlen

KTM hat eine wechselvolle Geschichte: 1992 beschäftigte das Unternehmen knapp 200 Mitarbeiter und verkaufte nicht einmal 6000 Motorräder. Seither geht es (mit einer deutlichen Delle während der Finanzkrise 2008/09) stetig bergan, 2016 verkaufte die KTM GROUP erstmals mehr als 200.000 Bikes weltweit – pro Jahr! Zu der Hauptmarke KTM gesellt sich X-Bow (das KTM-Auto) und (seit 2013) die schwedische Traditionsmarke Husqvarna Motorcycles. Hubert Trunkenpolz, CSO des Unternehmens, nennt die drei Säulen, auf denen der Erfolg basiert: Brands, Globalization und Innovation. Das ambitionierte Ziel für 2020: die Marke von 300.000 verkauften Motorrädern pro Jahr zu knacken. Auch aus dieser Ambition spricht der markeneigene Siegeswille sehr deutlich.

Hubert Trunkenpolz ist bei KTM Vorstand für Vertrieb

KTM vs. Husqvarna

Eine der drei Säulen zum Erfolg ist spürbar die Marke „KTM“. Die Renngene aus dem Motocross-Sport sind sukzessive und erfolgreich auf Enduro-, Touren- und Straßenmotorräder übertragen worden. Man möchte in jedem Bereich der Beste, ja der Schnellste sein, als Erster durchs Ziel gehen. Die Marke will als sportlich, puristisch, extrem und scharf wahrgenommen werden – wir sind hier alle einer Meinung: Mission accomplished! Einen wesentlichen Anteil an dieser Zuspitzung hat, neben der leistungsfähigen Hardware, das herausragende Design aus dem Hause Kiska.

Raphael Pleschounig verdeutlicht dies in seinem Vortrag, wenn er die Unterschiede zwischen KTM und Husqvarna herausarbeitet: Wie verschieden sind die Markenwelten, also Farben, Typografie, Merkmale – bis hin zu den Gefühlen, die mit der Marke verbunden werden, oder Persönlichkeiten, die für die Marke stehen. Die Bikes von Husqvarna definieren sich etwas entspannter und subtiler als die aggressiven Rennhobeln von KTM, wenngleich mit hochwertigen und leistungsfähigen Komponenten ausgestattet.

„Von innen heraus wachsen“

Wir sehen schon: es ist komplex, eine Marke in ihren Werten und Codes zu definieren. Eine echte Herausforderung muss es jedoch sein, weltweit 3000 MitarbeiterInnen in 25 Ländern damit vertraut zu machen. Caroline Ablinger sieht sich dieser Aufgabe mit der KTM Brand Academy gewachsen, denn: „Starke Marken wachsen von innen heraus!“ Bis zu 30 Workshops pro Jahr finden statt, mit Händlern, Vertriebs- und Marketingteams. Und es scheint zu gelingen: die MitarbeiterInnen leben die Markenwerte während der Arbeit, aber auch in Firmenveranstaltungen und außerhalb der Werkshallen, in gemeinsamen Motorradausflügen auf den Racetracks oder bei Motocrossrennen.

Charlotte Hager von Comrecon über KTMs Design und Marke

Ready to Race!

So, genug der Theorie, die Praxis – und damit das Beste kommt wie immer zum Schluss: Auf der hauseigenen Teststrecke in Munderfing stehen E-Crossbikes, sogenannte KTM FREERIDE E-SX, zum Testen zur Verfügung. Wer will, kann ein paar Runden durch Dreck und Gatsch, über Sprungkuppen und Wellpisten, durch Steilkurven und Wasserlatschen drehen. Nach einer kurzen Einweisung drehe ich am – ähh, Powergriff, und los geht's!

Nach einigen Runden sind wir alle einer Meinung: Besser als in dieser Form hätte man Theorie, Vorträge und Diskussionen über den Kern der Marke KTM nicht auf den Punkt bringen können!

Ein anderer Markentag des BCA fand in der Tabakfabrik Linz statt.

Fotos: Franz Hölzl

Blitz und Hammer

Blitz und Hammer

– Der schlanke, rotmetallic glänzende, geriffelte Body umschließt wohlgeformt alle Technik, das markante Vorderrad in der Achsschenkellenkung scheint die Straße zu ertasten. Zwei Scheinwerferäuglein zwinkern über dem aufgerissenen Rachen, und oben strecken sich die Lenker wie Insektenfühler dem Cruiser entgegen. Es gibt keinen Instrumententräger, kein Windschild, keinen Sozius, keinen Gepäckträger. Aber nichts davon fehlt. Der Elektro-Cruiser J1 von Johammer ist die radikale Neukonstruktion des motorisierten Zweirads. Ich durfte ihn probefahren! (Anm.: Der Blogpost erschien erstmalig am 26.7.2016 auf Smarkeding.)

Ich starte den Johammer J1, und muss meine Sinne neu kalibrieren. Alles bleibt ruhig. Kein Motorgeräusch, kein Dröhnen, kein Bollern. Kühl fühlt sich der geriffelte Körper an, nichts vibriert, nichts wackelt. Ich sehe nach vorne und freue mich über die freie Sicht auf die Straße: sinnigerweise sind die Infos zu Geschwindigkeit und Akkustand in den Rückspiegeln eingeblendet. Das ist radikale Reduktion – oder besser: radikale Neukonstruktion eines Gefährts, das nur einen Sinn hat: entspannt und ruhig durch die Landschaft zu cruisen, und dafür elektrische Energie zu nutzen.

Der Gasgriff – oder besser: der Powergriff –  ist rechts, wie bei normalen Motorrädern auch, aber hier steuere ich viel mehr: die Richtung meiner Fortbewegung (vorwärts/rückwärts), die Geschwindigkeit und die Beschleunigung. Sogar leicht abbremsen lässt sich über eine Drehung nach vorne – dann wird der Akku rekuperiert. Ich brauche keine Kupplung und keinen Gangwechsel, daher gibt es auch kein Abwürgen und kein Verschalten – simpel und idiotensicher.

Dann kann ich ja mal losfahren: leicht am rechten Handgriff drehen, Balance halten – und schon bewege ich mich über den Parkplatz. Das enge Reversieren ist eine Herausforderung, und Johann Hammerschmid weiß das: „Du musst auf die Straße, da geht's viel leichter!“

Raffinierte Details wie die Displays in den Rückspiegeln machen Sinn und dienen dem Genuss der Fortbewegung.

Ja, stimmt! Ich biege vom Parkplatz ab auf die Bundesstraße Richtung Freistadt, und plötzlich macht der J1 nur noch Sinn! Ich sitze kommod, die Füße ruhen auf den Fußrasten, und so gleite ich gemächlich durch die Landschaft. Herrlich! Ohne Mühe beschleunigt der Cruiser auf 80, 90 km/h, ich schwimme im Mühlviertler Verkehr locker mit und könnte auch noch schneller fahren – aber wozu? Der Fahrtwind hat mich gut im Griff, die Umgebung zeigt sich von der schönsten Seite, Kurven und Kuppen wechseln einander freudvoll ab. Unvorstellbar, damit über die Straßen zu heizen oder gar gefährliche Überholmanöver zu starten!

Vielmehr verliert die Zeit schlagartig an Bedeutung, du willst plötzlich nur mehr durch die Gegend gleiten, allein, ohne Stress, und gefühlvoll am Powergriff drehen – daschauher, noch 200 Kilometer Reichweite! Nicht nur der Weg ist das Ziel, sondern die Bewegung, das Cruisen, das Genießen.

Ich spüre, dass der Johann Hammerschmid mit Erfindergeist, Beharrlichkeit, Ausdauer und seiner Erfahrung als Maschinenbauer genau das Gerät konstruiert hat, das er selbst am liebsten durch das Land bewegt. Sein 1996 gegründetes Maschinenbau-Unternehmen hat er 2015 übergeben, mittlerweile firmiert es unter dem Namen Nordfels in Bad Leonfelden. Beim „Tag der offenen Tür“ am 22. Juli hatte ich Gelegenheit, ihn und seine bunte Schar genauer kennenzulernen.

Mit dem Elektro-Cruiser J1 erfüllte sich Johann Hammerschmid einen Traum.

Das erste Mal traf ich Johann Hammerschmid beim Markentag des Brand Club Austria in der Tabakfabrik Linz. In seinem Vortrag beschrieb er seine Vision eines radikal neuen und dabei umweltfreundlichen Zweirades, mit folgenden Eckpunkten: Mobilität, Nachhaltigkeit, Elektrizität, leichte Werkstoffe, ausgefeilte Produktionstechnik und – Design!

Schaut man sich den J1 genauer an, dann wurde das alles konsequent umgesetzt. Der Elektrocruiser ist wartungsfrei, recyclingfähig und sparsam. Und das Design ist der Hammer!

Der Johammer J1 polarisiert. Ohne Zweifel. Entweder finden die futuristische Form, die zukunftsweisenden Details und der hedonistische Zugang unbedingte Anhängerschaft oder eindeutige Ablehnung. Dazwischen gibt es nichts!

Jean-Marie Lawniczak hat es genau so gewollt. Wie schon den Designern der legendären Citroën DS, der „Göttin“, ging es auch ihm bei der Gestaltung des Elektro-Cruisers darum, den Abstand zum Mitbewerb ausreichend groß zu definieren. Der J1 sieht nicht aus wie ein Motorrad, nicht wie ein E-Bike, und schon gar nicht wie ein Roller – nein, so etwas hat man noch nicht gesehen!

Dass sein Auftraggeber selbst visionär und beharrlich genug war, sich nicht mit Evolutionärem zu begnügen, machte den Gestaltungsprozess nicht unbeding leichter, aber richtiger. Ein leeres Blatt Papier, anfangen bei null – beängstigend und befreiend zugleich. Das Ziel war, eine aggressive Form zu finden, welche die Technologie transportiert – im doppelten Wortsinn!

Die Verkürzung des Namens von Johann Hammerschmid zu „Johammer“, vor allem in Verbindung mit dem prägnanten Logo, ergibt einen schlüssigen Markenauftritt: polarisierend, aggressiv, innovativ, zukunftsweisend. Rund um das elektrisierende Zweirad hat sich bereits eine umtriebige Community entwickelt, die auf gemeinsame Reisen geht, sich für andere Zukunftstechnologien interessiert oder der Elektromobilität neuen Schwung gibt. Bemerkenswert ist auch die ungewöhnliche Allianz mit Trachtenrebell Gössl. Dabei bleibt das Unternehmen im Mühlviertel verwurzelt, und ist in seinen anderen Bereichen ebenfalls mit Innovationskraft und ausgereifter Technologie auf der Überholspur.

Fotos: Gregor Hartl / Johammer (1), Franz Hölzl (6)

Adaptive Content Marketing – was ist das?

Was ist Adaptive Content Marketing?

– Das Zauberwort im Marketing von heute: Adaptive Content, also (Werbe-)Inhalt, der sich an die diversen Ausgabeplattformen anpasst wie Wasser an unterschiedliche Gläser. Aber heißt das zukünftig auch personalisierte und maßgeschneiderte Werbebotschaften á la „Minority Report“? (Anm.: Der Blogpost erschien erstmalig am 6.7.2016 auf Smarkeding.)

Rufen wir uns mal folgende Szene im wegweisenden Science-Fiction-Film mit Tom Cruise in Erinnerung:

John Anderton, Precrime-Specialist im Jahr 2054, muss flüchten, nachdem sein eigener Name auf der Liste der Precogs aufgetaucht ist. Um seine Unschuld zu beweisen, sucht er den Mastermind von Precrime auf, Dr. Hineman. Aber egal, wo sich John gerade aufhält, die persönliche Identifikation durch den Retinal Scan passiert überall, weshalb die Umwelt – im speziellen Fall: die Werbung – auf seine Anwesenheit reagiert. Die Werbescreens in der Shopping Mall passen sich ihm an und zeigen eine attraktive Blonde, die für die „Blue Express Card“ wirbt. In der nächsten Werbebotschaft heißt es, dass er jetzt ein Guinness brauchen könnte (gut erkannt!!).

John Anderton wird mit maßgeschneiderten Werbebotschaften verfolgt.

Noch besser wird's in der U-Bahn: Schwupps ändert die Zeitung während des Lesens Titelfoto und Headline, und nach wenigen Sekunden ist der gesuchte John Anderton auf jeder Titelseite in Washington D.C.!

Diese „Werbehölle“ im Film hat sich 2002 (!) der Production Designer Alex McDowell mit Werbeexperten ausgedacht. Die Technologien waren damals visionär, Iris-Scanner, E-Paper (Kindle), Touchscreen (Apple), Gestensteuerung (BMW) – und vor allem Datenbanken über die verschiedensten Vorlieben von Konsumenten – existieren aber nun schon einige Jahre, in unserer realen Welt, lange vor 2054!

Der Clou: Konsumenten sollen mit Hilfe dessen, was man über sie weiß, zielgerichtet Informationen erhalten können. Was weiß man über die User? Meistens die Art des benutzten Gerätes, den Standort, die Tageszeit, eventuell auch persönliche Infos wie Altersstufe, Einkommen, Beziehungsstatus. Dazu sind über fast jeden Infos zu Konsumverhalten, Onlineaktivität, Arbeitsplatz, Freizeitbetätigung oder sexuelle Orientierung bekannt und in irgendeiner Datenbank abgelegt. Stichwort Big Data. Daraus ließe sich bestimmt noch mehr maßgeschneiderte Werbung generieren als bisher mit Retargeting schon der Fall ist.

Klingt das gut, ist das die Zukunft? Naja, Werbetreibende bekommen feuchte Augen, Datenschützern aber schwillt die Zornesader. Abgesehen davon stellt sich die Frage, wer diese persönlich maßgeschneiderten Inhalte bereitstellen kann.

Die Inhalte – den Content – in dieser Werbewelt soll das Marketing liefern, und zwar als Adaptive Content. Das Ziel ist, nicht mehr nur viele Inhalte zu schaffen, das dem Leser/Konsumenten je nach Ausgabeplattform bereitgestellt wird, sondern Content einmal zu erstellen und dafür anpassungsfähig zu gestalten (mit Tags). Jede und jeder wird dann mit den Werbeinhalten versorgt, die zu ihm passen – in erster Linie zum genutzten Kanal, Ausgabegerät usw., in weiterer Folge aber auch zu seinen Bedürfnissen.

Wie die Onlinemarketing-Expertin Karen McGrane in einem Interview formuliert: „Adaptive Content wandelt die Personalisierungsbestrebungen von Werbetreibenden in die Realität um, wenn auch auf komplexe und kostspielige Weise.“ Inhalte werden nicht mehr für eine bestimmte Plattform erstellt, sondern mit dem Ziel der Wiederverwendbarkeit, nach dem Motto: „Einmal erstellt, überall publiziert.“ Und wohl auch: „Individuell adaptierbar“.

Fotos: Informationszentrale Deutsches Mineralwasser, Dreamworks

Auf’n Glockner fahr’n

Auf'n Glockner fahr'n

Die Oberschenkel brennen, und der Schweiß tropft mir von der Stirn, trotz des kühlen Wetters. Da oben ist mein Ziel schon zu sehen, das Fuschertörl auf 2445 Meter, beeindruckende Markierung in dieser wunderbaren Bergwelt. Bald ist es geschafft…

Die Großglockner Hochalpenstraße gehört zu Österreich wie die Lippizaner oder die Mozartkugeln. Sie führt seit 1935 über einen der schönsten Alpenpässe, und in jedem Reiseführer sowie im Tourbuch der Österreich-Radrundfahrt ist die Strecke ein Fixpunkt. Eine sehr persönliche Annäherung an die höchstgelegene österreichische Marke. (Anm.: Der Blogpost erschien erstmalig am 29.6.2016 auf Smarkeding.)

Davon geredet haben wir schon lange. Meine Brüder und ich, auch der Schwager, nehmen uns bereits seit ein paar Jahren vor, mit dem Fahrrad „über den Glockner“ zu fahren. Der richtige Termin ist schnell gefunden: schon in der warmen, trockenen Jahreszeit soll es sein, aber noch vor den Schulferien: also Ende Juni. Fast alle nehmen sich Zeit, die Gruppe besteht schlussendlich aus sechs Männern (plus einem Jungspund). Einzig der Wetterbericht sorgt für Stirnrunzeln, denn nach den paar heißen Tagen soll es markant abkühlen und erneut ordentlich regnen. Also wird der Rucksack entsprechend wetterfest gepackt, denn verschieben oder aufgeben ist nicht drin!

Die Anreise

Wir sind uns einig, dass zur Glocknerbezwingung auch die Anreise per Fahrrad gehört. Das bedeutet für uns, die Saalach von Bad Reichenhall aufwärts zu fahren, und nach Zell am See Richtung Bruck abzubiegen. Eine wunderschöne, gemütliche Anfahrt über 85 Kilometer, auch das Wetter spielt ganz fein mit, und wir erreichen das Quartier in Fusch rechtzeitig zum ersten Fußball-Achtelfinalspiel des Tages.

Nach der schwülen Hitze entlädt sich erst am Abend der Himmel in heftigen Gewittern. Wir üben uns in Zweckoptimismus, denn einen Rückzieher wegen Schlechtwetters machen wir jetzt sicher nicht: der Regen am nächsten Tag werde schon nicht so schlimm werden, schließlich sei unsere Ausrüstung ja auch entsprechend gut, und überhaupt: schaumamoi!

Abfahrt am wunderschönen Samstag morgen in Großgmain.

Historie eines Kulturerbes in den Alpen

Beeindruckend ist sowohl die Geschichte von der Erbauung als auch die bisherige Entwicklung allemal: Nach fünfjähriger Bauzeit wurde die Großglockner-Hochalpenstraße 1935 eröffnet. Bis zu 3200 Männer waren mit der Trassierung und dem Bau der Strecke beschäftigt. Gekostet hatte das Vorhaben damals 910 Mio. ÖS, womit die Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG) sogar um sieben Millionen Schilling unter dem Kostenvoranschlag blieben. Die erste Überfahrt fand bereits 1934 statt (in einem „Steyr Hunderter“ mit 32 PS!), und gleich nach der Eröffnung veranstaltete man das erste internationale Großglockner Automobil- und Motorradrennen. Seither konnten etwa 70 Millionen Besucher über die Großglockner Hochalpenstraße fahren und die fantastische Landschaft des Nationalpark Hohe Tauern bewundern. Jedes Jahr kommen knapp eine Million Gäste hinzu.

Die Auffahrt

Der nächste Tag beginnt überraschend gut, denn obwohl es in der Nacht geregnet hat, ist es bei bewölktem Himmel trocken und angenehm kühl. Also wird zum Frühstück noch reichlich Energie getankt, bevor wir uns knapp vor halb neun Uhr Richtung Mautstelle Ferleiten auf die Sattel schwingen.

Die Strecke Fusch-Ferleiten ist schon eine Einstimmung auf die Anforderungen, welche ab der Mautstelle an unsere Kondition und Ausdauer gestellt werden. Kurz nach neun wird es dann ernst: mit einem „Push the button“ am Fahrrad-Gate rollen wir durch die Mautstelle und begeben uns zügig bergwärts. Die Gespräche verebben, Ketten knirschen über Zahnräder, das Feld zieht sich auseinander, und die Blicke werden konzentrierter. Glücklicherweise ist die Straße breit und die motorisierten Biker sitzen noch beim Frühstück – so sind wir schneller als gedacht bei Kehre 1 angekommen. Jede der 14 Kehren bis zum Fuschertörl sorgt für eine kurze Erholung und informiert über die Höhenlage und Reststrecke. Noch 9,7 Kilometer!

Wenn die nicht wären / die vielen Kehren

wie dann erholen / am Weg nach oben

In Fusch a.d. Glocknerstraße startet der Anstieg in die Wolken.

Weltkulturerbe 2018

Trassenführung und Streckenbau zeugen von ausgereifter Ingenieurskunst und ökonomischer Fertigungsweise, von einem sorgfältigen Umgang mit der Natur und Bergwelt. Keine Kurve zuviel, keine Kehre zu wenig, dabei genug Platz für Fahrzeuge aller Art, für Rastplätze, für Bergpanoramen und einfach zum Luftholen. Ein Beispiel gefällig? Beim Fuschertörl hat der Erbauer der Straße bewusst die Bergspitze umfahren, um so den Besuchern einen perfekten Rundblick in die unvergleichliche Hochgebirgslandschaft zu ermöglichen.

Bei der UNESCO ist das seit 2015 denkmalgeschützte Straßenbauwerk für die Listung als Weltkulturerbe bereits beantragt. Geht das Verfahren positiv aus, „steht einer Eintragung im Sommer 2018 nichts mehr im Wege“, so VD Johannes Hörl von der GROHAG. Die Hochalpenstraße wäre damit die erste Straße mit dem Prädikat „Weltkulturerbe“.

Die Bergankunft

Es sind noch nicht viele Radfahrer unterwegs, was mich verwundert. Schließlich hält das Wetter immer noch aus, lediglich die Wolken und stellenweise Nebel trüben die Sicht. Einmal überholen wir ein gelbes Tandem mit Anhänger, bergwärts bewegt von einem älteren Ehepaar aus Belgien. Nun werden auch Autos und Motorräder mehr, und als Radfahrer spüre ich leichten Stolz auf die eigene Leistung in mir hochsteigen. Schnaufend und schwitzend erklimme ich Meter um Meter, komme gut durch die Hexenküche und tauche bald aus dem Nebel. Vorbei am Haslauer-Haus öffnet sich der Blick auf die letzten Kurven, und ich kitzle noch die verbliebenen Reserven aus meinen Oberschenkeln.

Gemeinsam mit meinen jüngsten Brüdern Johannes und Leonhard gelange ich am Fuschertörl an, wo die anderen – Bernhard und Fabian – uns schon erwarten. Ein großer Moment, voller Glück und Freude!

Es scheint, als hätte Petrus seine schützende Hand über unser Vorhaben gehalten, bis alle oben angelangt sind. Und jetzt zieht er sie plötzlich weg – kaum ist das Zielankunftsfoto gemacht, beginnt es vernehmlich zu tröpfeln.

Alle sind wir wohlbehalten am Fuschertörl angekommen.

Die Abfahrt

Wir ändern übereinstimmend unseren Plan, bis Heiligenblut zu radeln. Stattdessen packen wir in Windeseile unsere Regensachen aus und bereiten uns auf die Abfahrt vor. Dabei hätten wir so gerne noch das obligate Zielankunfts-Bier genossen! Im einsetzenden Regen machen wir uns auf den Rückweg nach Fusch. Jede Kehre wird vorsichtig angefahren, mit Respekt ob des rutschigen Belages und teilweise gebremst durch starken Nebel. Die lange Abfahrt ist ein Genuss, auch wenn sich die feinen Regentropfen im Gesicht wie Nadelstiche anfühlen. Huldvoll grüße ich entgegenkommende Radfahrer, die sich noch mühsam nach oben quälen. Das gelbe Tandem aus Belgien ist auch dabei. Sie werden es ebenso schaffen, denn es wird im Laufe des Tages wieder zu regnen aufhören. Vollgepumpt mit Adrenalin erreichen wir um halb eins schon wieder den Ausgangspunkt unserer Tour, und belohnen uns beim Römerwirt mit einer ausgiebigen Mahlzeit.

Der Blick vom Fuschertörl mit Vorfreude auf die Abfahrt.

Touristische Bedeutung

Noch in den 1930er Jahren stellte sich bald heraus, dass die ohnehin unbescheiden geschätzten Besucherzahlen von 120.000 pro Jahr bei weitem zu tief gegriffen waren. Mittlerweile passieren mehr als 900.000 Besucher aus der ganzen Welt den Alpenpass, dementsprechend wichtig ist die touristische Infrastruktur rund um das Ausflugsziel für die Region. Die Großglockner Hochalpenstraße „zählt zu den Top-3-Tourismusangeboten der Republik Österreich“, so der Fuscher Bürgermeister Hannes Schernthaner. Er betont die historische Bedeutung als wichtigen Auftrag- und Arbeitgeber in den Regionen der Hohen Tauern.

Anlässlich der EXPO 2015 in Mailand entstand ein Imagefilm. Die GROHAG setzte dabei auf bewährte Begleitung des monumentalen Bauwerks durch die Wiener Philharmoniker.

Eine alljährliche Herausforderung ist die Schneeräumung der Glocknerstraße. Es ist nicht ungewöhnlich, dass 12 Meter hohe Schneemassen von der Straße entfernt werden müssen. Bis zu 800.000 Kubikmeter Schnee sind das, und die Arbeit erledigen mittlerweile fünf Rotationspflüge und zwölf Arbeiter – schon im April. Zum Vergleich: 1936 und 1937 schaufelten 350 Mann 70 Tage lang, um die Straße einspurig zu räumen und von 250.000 Kubikmeter Schnee zu befreien. Der Zeitpunkt des „Durchstichs“ ist für die Region von großer Bedeutung, entsprechend findet das Ganze seinen Widerhall in den Medien und auf Facebook.

Eine Österreich-Radrundfahrt ohne Glockner ist undenkbar. Auch 2016 führte die 4. Etappe der Tour über die Hochalpenstraße, mit Bergankunft erstmals auf der Edelweißspitze. Sogar der Giro d'Italia hatte zuletzt 2011 das Etappenziel am Glocknerhaus. Der Glocknerkönig ist ein Radrennen für jedermann auf der anspruchsvollen Strecke zwischen Bruck und Fuschertörl, welche für motorisierte Fahrzeuge an diesem Tag gesperrt ist. Das Ereignis findet jeden ersten Sonntag im Juni statt, die Siegerzeit heuer: 1:18.12,4 – aufgestellt von Johannes Berndl (bzw. 54.36 ab der Mautstelle Ferleiten – von Thomas Brengartner).

Entlang der Glocknerstraße finden immer wieder Ausstellungen ihre Besucher, aus Anlass des 200jährigen Salzburg-Jubiläums etwa zum Thema Alpinismus an der Hochalpenstraße, unter dem Motto: „Die höchsten Salzburger“. Ein jährlicher Fixpunkt ist auch die Glocknerwallfahrt (meistens Ende Juni), wo Gläubige aus dem Raurisertal über die Hochalpenstraße bis Heiligenblut pilgern.

Quellen: GROHAG, Wikipedia, Salzburgwiki;

Fotos: GROHAG, Leo Hölzl, Franz Hölzl, Johannes Hölzl, Fabian Katsch

Innovationsfabrik

Innovationsfabrik

– Für mich war es eine kleine Zeitreise, und auch deswegen bin ich der Einladung des Brand Club Austria (BCA) gerne nach Linz in die Tabakfabrik gefolgt. Der Markentag zum zehnjährigen Jubiläum war der Anlass, und wie immer verband man das Angenehme mit dem Nützlichen. Diesmal ging es darum, die Entwicklung eines denkmalgeschützten Industriejuwels mit 80.000 Quadratmeter Nutzfläche in einen kreativen Hotspot und gefragten Treffpunkt innovativer Unternehmen zu verstehen. (Anm.: Der Blogpost erschien erstmalig am 22.6.2016 auf Smarkeding.)

Als Student der Johannes-Kepler-Universität Linz in den Neunzigerjahren kam man an der Tabakfabrik nicht vorbei, und ich schon zweimal nicht: nur einen Steinwurf davon entfernt in der Lederergasse wohnte ich in einer Studi-WG, und musste jeden Tag (mal früher, mal später) an der Tabakfabrik vorbeifahren. Mit dem Rad natürlich, und der Weg führte mich weiter über die Eisenbahnbrücke die Donau entlang bis zum Pleschingersee … ääh, bis zur Uni – schöne Zeiten!

Zurück zum Markentag des BCA: Sowohl die Auswahl des Standorts als auch der dort vorgestellten Unternehmen zeigt, dass man bei den Themen Marke, Innovation und Design auch gern einmal um die Ecke denken sollte. Markus Eidenberger, kaufmännische Direktor der Tabakfabrik Linz, erläuterte uns im ersten Vortrag, wie gut sich das ehemalige Industrieareal in den letzten Jahren als Marke für kreatives Unternehmertum und innovative Stadtentwicklung etablieren konnte. (Die darauf folgenden Beiträge von Johann Hammerschmid und Jean-Marie Lawniczak zu Idee und Design des „Johammer Electric Cruiser“ werden von mir aus Zeit- und Platzgründen in einem späteren Blogeintrag behandelt.)

Bevor ich also auf die Ausführungen von Markus Eidenberger eingehe, muss ich noch etwas ausholen:

Tabakfabrik Linz

Die Vergangenheit

Die lange Industriegeschichte des Standorts ist ausreichend dokumentiert, und reicht 350 Jahre zurück: Schon 1672 entstand die Linzer Wollzeugfabrik, einst die erste Textilfabrik Österreichs. Als 1850 die Produktion eingestellt wurde, nutzte man Teile der Fabriksgebäude zur Erzeugung von Rauch- und Kautabaken. 1859 waren so schon über 1000 Menschen beschäftigt.

Im Jahre 1928 übertrug man dem bekannten deutschen Industriearchitekten Peter Behrens und seinem Schüler Alexander Popp den Neubau der Tabakfabrik. Nach – auch wirtschaftlich – schwierigen Jahren konnten die als Stahlskelettbau errichteten Gebäude fertiggestellt und 1935 feierlich eröffnet werden.

Seit dem zweiten Weltkrieg war die Republik Österreich Eigentümer der Austria Tabak. 1997 wurden die Anteile an die ÖIAG übertragen, mit dem Auftrag zur Privatisierung. Im Jahre 2001 kaufteder britische Tabakkonzern Gallaher Group alle Anteile. 2007 übernahm die japanische JTI das Unternehmen, 2008 wurde die Schließung des Werks in Linz beschlossen, obwohl es – so wie das Werk in Hainburg, das 2011 zusperren musste – bis zuletzt profitabel arbeitete.

Die Stadt Linz erwarb das Industrieareal 2010 um 20,4 Mio. Euro und erklärte es zum Gebiet für Stadtentwicklung.

Bereits beim Eingang U2 erschließt sich der unkonventionelle Umgang, den die Stadt Linz mit den historischem Industrieareal pflegt und der ganz klar in die Zukunft weist.

Die Gegenwart

Die neu gegründete Entwicklungsgesellschaft hat seither die Aufgabe, für das Architekturjuwel mit über 38.000 Quadratmeter Nutzungsfläche ein zukunftsfähiges Konzept zu erstellen. Die Tabakfabrik soll unter anderem eine wichtige Rolle bei der internationalen Positionierung von Linz im Bereich der Creative Industries spielen. Demnach kann sie wie ein Konzern funktionieren, in dem eingemietete Unternehmen miteinander kollaborieren. Eine Kreativkette soll die diversen Bereiche, von der Forschung und Wissenschaft über die Kunst und das produzierende Gewerbe – bis hin zum geistigen und materiellen Konsumieren – auf dem Areal bündeln.

Herr Eidenberger erläuterte jene Punkte, die zum Erfolg dieser Entwicklung ganz maßgeblich beitrugen:

  1. Zwischennutzung: Wo möglich, wurden Flächen und Räume sofort genutzt, und zwar für Events, Veranstaltungen, Ausstellungen oder Konzerte. So wurde vor kurzem der einmillionste Besucher (!) der Tabakfabrik gezählt. Dabei betonte Eidenberger, dass dies mit einem jährlichen Marketingbudget von nur 40.000 Euro – und mit dem Wohlwollen der regionalen Presse – erreicht werden konnte.
  2. Weiternutzung: Jene Räumlichkeiten, die bereits als Büros vorhanden und ausgestattet waren, wurden sofort nach der Übernahme im Jahr 2010 entweder selbst – für die eigene Verwaltung – genutzt oder an Kreativunternehmen wie Architekten, Fotografen, Designer und handwerkliche Betriebe weitervermietet. Prominent: Ars Electronica Solutions
  3. Vorbereitung von Bau 2 für große Mieter: Mit über 5 Mio. Euro adaptierte man das Gebäude mit Richtung Donaulände, und holte sich große Mieter an Bord: Hochstetter Conceptstore im Erdgeschoß, darüber die Webagentur Netural, Axis Coworking und das Architekturbüro Kleboth.

Die Zukunft

Die nächste Zeit ist dem Ausbau des denkmalgeschützten Bau 1 (von dem bisher nur Stiege A in Verwendung ist) und des Magazin 3 gewidmet. Markus Eidenberger skizzierte dafür eine „Innovationskette“, also eine Bündelung der diversen Bereiche, von der Forschung und Wissenschaft über die Kunst und das produzierende Gewerbe – bis hin zum geistigen und materiellen Konsumieren – auf dem Areal. Der Westteil ist nicht denkmalgeschützt und soll im Zuge eines Architekturwettbewerbes neu bebaut werden, gemeinsam mit der neuen Straßenbahnachse und unterirdischen Haltestelle.

Wir konnten während der Besichtigung des Geländes im Anschluss an die Vorträge Einblick in Gegenwart und Zukunft der Tabakfabrik bekommen.

Der Besuch des Markentages in der Tabakfabrik erfolgte auf Einladung des Brand Club Austria. Ein anderer Markentag fand bei KTM statt.

Fotos: Mag. Franz Hölzl

Die Top 7 Werbefiguren

Die 7 prägendsten Werbefiguren

– Fränz macht alles ganz anders als Mr. Ano Nym. Das Schweinderl muss ja natürlich keinen Metzger fürchten. Hausgeist Mia spukt seit kurzem durch unsere Wohnungen, während die Familie Putz schon seit Jahrzehnten dort auf der Couch knotzt. Und der Schärdinand treibt seinen Schabernack mit Milchprodukten. – Meine Hitliste der prägendsten Werbefiguren Österreichs. (Anm.: Der Blogpost erschien erstmalig am 15.6.2016 auf Smarkeding.)

1. Hausgeist Mia

Es sorgt in jedem Fall für Aufmerksamkeit, wenn Hausgeist Mia durch den Werbeblock spukt. Sie findet Gefallen am ausgewachsenen Ehekrach, schaut schnell mal ins Schlafzimmer (und spannt genüsslich dort, wo sich aber hallo!) und verstellt Möbel und Lampen wie ein kleiner Poltergeist. Aber nur keine Panik, Leute, sie verrät uns ja eh, wie wir trendiger wohnen können. Also echt: das ist Platz eins auf meiner Hitliste!

2. Fränz

Über zwanzig Jahre war Mr. Ano Nym der Garant für Qualität im Supermarkt, für unbestechliche Kontrolle und beinharte Preispolitik. Doch jetzt werden die Zeiten „freund-licher“. Ein auffällig gekleideter und – für österreichische Verhältnisse – ungewohnt netter junger Mann bringt Geburtstagsgeschenke, hilft aus wenn die Nachbarin was vergessen hat oder ist gut Freund mit dem Tortenbäcker. Fränz also (vom englischen „Friends“ – für alle die das noch nicht … naja), soll mehr Genuss und Lebensfreude vermitteln. Es ist verdammt hart, sympathisch zu sein!

3. Das Schweinderl

So muss das wohl sein, am Land: Das kluge Schweinderl fragt dem armen Biobauern Löcher in den Bauch, versucht seit Jahren vergebens, ihn mit der Biologie-Lehrerin zusammenzubringen, und braucht sich trotzdem nicht davor fürchten, als Schnitzel auf dem Teller zu landen. Dafür ist das süße Ferkel zu beliebt, und die harte bäuerliche Realität lässt sich ja auch wunderbar ausblenden. Fazit: Sympathische Schweinsohren!

4. Familie Putz

Mittlerweile gehört die Drei-Generationen-Familie zu Österreich wie die Lippizaner. Leider. Denn anders als die anmutigen Rösser zerren Oma, Papa Max, Mama Linda, Putzi und dessen Freundin Ixi sehr oft an meinem Nervenkostüm. Etwa mit Wäscheklammern vor Zwickeltagen oder beim Ratespiel zum Sortimentswechsel. Dazwischen gibt es aber auch echte Perlen wie Persiflagen auf „Dinner for One“, „Cinderella“ oder „Alice im Wunderland“. Kein Wunder beim Werbebudget des Möbelriesen!

5. Schärdinand

Kaum jemand ist so versessen auf Käse, Joghurt oder Milch, wie der kecke Mann mit Hut. Ich muss immer wieder staunen, was ihm alles einfällt, damit er an sein Milchprodukt kommt. Das ist sehr unterhaltsam, besonders wenn Schärdinand im Stil von „Mission Impossible“ an Käse gelangen möchte, oder gemeinsam mit Bauarbeitern hoch oben auf einem Wolkenkratzer Mittagspause macht. Auch für Schadenfreude ist gesorgt: als ihm nämlich drei Buben den blauen Hut stibitzen, um seine Butterbrote zu verputzen. Köstlich!

6. Der Hannes und seine Freunde

Banken haben derzeit ja wohl nichts zu lachen. Nullzinspolitik und harte Konkurrenz bringen den klassischen Kundenberater ins Schwitzen. Nur gut, dass es den Hannes gibt. Denn der betreut seine Kunden (also alle seine Freunde) nicht hinter einem langweiligen Schalter, sondern auf dem Fußballfeld, beim Wirt'n, in der Sauna oder am Badesee. Mitten im Leben also. So einen Bankberater wünscht man sich schon. Aber beim E-Banking geht’s dann doch schneller!

7. Der/die Hausverstand

Wenn man den „gesunden Menschenverstand“ ins österreichische übersetzt, ergibt das den Hausverstand: seit fast zehn Jahren mimt ein sympathischer Mittvierziger die allegorische Überfigur für eine bekannte Supermarktkette. Der Hausverstand ist smart, hat immer praktische Tipps und die Lösung für unser Essen, unsere Gesundheit, unsere Umwelt parat. Er versucht dabei, nicht oberlehrerhaft rüberzukommen, und meistens schafft er das auch (außer wenn er zickt, sich bitten lässt oder mit auf Urlaub fährt!). Und es gibt da dieses Gerücht, er wäre bei einem Diskonter zum Einkaufen gewesen. Ist das der Grund, warum seit Ende 2016 „Hausverstand“ bei Billa mit weiblich Artikel verwendet wird, also „die“ Hausverstand?

Hier gibts weitere Infos zu dem Phänomen Werbefigur. Fotos: Merkur, Mömax, Ja Natürlich, XXXLutz KG, Berglandmilch/Schärdinger, Billa

Was ist eine Werbefigur?

Was ist eine „Werbefigur“?

– Wenn eine Figur für eine Marke steht, heißt das in der Fachsprache „Werbefigur“. Dafür gibt es einige berühmte Beispiele! (Anm.: Der Blogpost erschien erstmalig am 11.6.2016 auf Smarkeding.)

Eine Werbefigur ist eine Figur, die für all das steht, was die Marke ist, indem sie diese personalisiert. Man versteht darunter auch eine wiedererkennbare und fortgesetzte Metapher für die Marke. Einfacher ausgedrückt: eine Werbefigur spricht für und durch die Marke, und zeigt welchen Nutzen die Marke für den Kunden haben kann. Werbefiguren werden von Markenartikelherstellern oder deren Werbeagenturen entwickelt, um die Produkte und Dienstleistungen zu personalisieren und ihnen einen Charakter zu geben. Sie gelten auch als Spiegel der Gesellschaft, für die sie erschaffen werden.

Das berühmteste – und weltweit auch erfolgreichste – Beispiel ist der Marlboro Man, der seit den 1950er-Jahren das Synonym für Männlichkeit, Kraft und wilden Lebensstil ist. Großen Anteil am Erfolg hatte auch die unverwechselbare Bildsprache in der Fotografie von Norm Clasen. Die verschiedenen Cowboydarsteller lebten ihre Rolle so konsequent für die Zigarettenmarke, dass vier von ihnen an einer Lungenkrankheit verstarben. Der weltweite Trend gegen die Darstellung des Rauchens hat auch die Werbefigur „Marlboro Man“ mittlerweile sterben lassen.

Weitere berühmte Beispiele sind: die Milka-Kuh, Ronald McDonald, Meister Proper, das Michelin-Männchen, der Bausparfuchs, Dr. Best, die Trommelhasen, Käpt'n Iglo, der rote Erdal-Frosch usw.

Die Entwicklung und vor allem Durchsetzung einer Werbefigur ist heute sehr kompliziert und erfordert – für das Unternehmen wie für die Agentur – diverse Ressourcen und Managementqualitäten: Geld, Mut, Knowhow, Kreativität und Ausdauer. Als etabliert gilt die Figur dann, wenn sie auch ohne begleitendes Markenbild bereits das Angebot der Marke verkörpert. Das kann einige Monate oder gar Jahre dauern.Werbefiguren sollten nicht verwechselt werden mit Testimonials, welche als prominente oder bekannte Personen ihr Zeugnis für eine Marke oder ein Produkt abgeben. Bestes Beispiel dafür: George Clooney für Nespresso.

Foto: Norm Clasen

Die 5 besten Werbekicker

Die 5 besten Werbekicker

– Bei der Qualifikation für die Fußball-EM 2016 in Frankreich geigen Österreichs Fußballer am grünen Rasen auf, im TV-Werbeblock oder in Zeitungsinseraten sind sie aber auch zu sehen! Die Protagonisten unseres Nationalteams sind zur Zeit echte Werbestars. Hier die Top Five! (Anm.: Der Blogpost erschien erstmalig am 6.6.2016 auf Smarkeding.)

1. Marcel Koller – der erste von acht Millionen Teamchefs

Der Nationalteam-Trainer geht mit gutem Beispiel voran und beweist Humor: seine Werbeclips für den Wettanbieter tipp3 genießen mittlerweile Kultstatus, und zur wirklich guten Idee (von Ping Pong Communications) passt auch Kollers schauspielerisches Talent. Schließlich muss er in jedem Filmchen gleich mehrere Charaktere verkörpern. Ob im Frisiersalon oder in der Autowerkstatt: der Mann hat Swag, Oida!

Nach der erfolgreichen EM-Qualifikation war bestimmt so manche Sorgenfalte auf Kollers Stirn dazugekommen. Deshalb hat ein Hautcreme-Hersteller kürzlich bekannt gegeben, den Teamchef als Testimonial gewonnen zu haben, und Koller gaberlt sich durch das Werbevideo. Eine eigene Edition à la Marcel Koller können die Nivea-Kunden nun erwerben – für (sorgen)faltenfreie Stirn bis zum EM-Finale!

2. David Alaba – Der Überkicker

Der beliebteste Fußballspieler dieses Landes (und darüber hinaus) ist natürlich ein hochgeschätztes Werbegesicht und schon bisher fleißig abseits des Fußballplatzes für Werbekunden tätig. Da gibt es die etwas düstere Werbelinie der Bank Austria, wo Alabas persönlicher Bankberater dem jungen David nicht von der Seite weicht, beim Joggen, am Fußballplatz – und wohl auch bei seinen Bankgeschäften.

Auf jeden Fall ungewöhnlich ist das Testimonial für Eat the ball, ein Brot in Ballform (!). Seit Ende 2013 gilt Alaba als Markenbotschafter für Coca Cola, was jetzt zwar nicht soo originell ist, aber trotzdem unterhaltsam: wann sonst sieht man den Überkicker beim Grillen, mit Schürze!?

Und für den Möbelriesen wurde der Nationalkicker zum „kika!“ – offenbar sind Wortspiele auch für Münchner Agenturen lustig (hier: Barcode).

3. Marko Arnautovic – fresch

Er ist der Antreiber im Nationalteam, der Rackerer, der Kämpfer. Seine einst großen Sprüche sind mittlerweile zum Markenzeichen geworden („Bis ich nicht tot bin, werde ich spielen.“), und das zu Recht. Seit seine beiden Töchter auf der Welt sind, muss Papa Arnautovic ein Vorbild und deshalb „braver“ sein als bisher. Wurscht, sein großes Ego, seine Fähigkeiten und die richtige Einstellung machen ihn nicht nur für seine Teamkollegen, sondern auch für Werbekunden zur beliebten Anspielstation.

So ist sein Testimonial für Hartl-Haus eines mit „Ecken und Kanten“, richtig in Bestform agiert er aber für Mediamarkt (in Szene gesetzt von Michael Ostrowski). Die charmante Lehrerin bemüht sich sehr, und das Sprachentalent Arnautovic lernt schnell – wie man sieht. „Frescher Schüler!“

4. Marc Janko – der Neue

Zum Glück macht auch der Teamstürmer mit der Nummer 10 einen Werbespot, denn das bringt unser aller Lieblingstorschützen Toni Polster wieder einmal auf den Bildschirm! Samsung erhofft sich für die EM noch ordentlich Absatz von TV-Geräten, und den soll das Trio Janko, Polster und Angelika Niedetzky ankurbeln. Man kennt das ja: Sie will den alten (achso: Fernseher) gegen einen „schlanken Neuen, der richtig scharf ist“, eintauschen. Charmebolzen Toni bleibt ihr dagegen erhalten, daran kann auch der schlanke Marc nix ändern. Mal sehen, ob sich der baumlange Stürmer mit vielen Toren während der EM dann endlich in unsere Herzen schießt.

5. Christian Fuchs – Brave and Bold

2016 erkämpfte er mit seinem Club Leicester den überraschenden Meistertitel in der englischen Premier League. Was soll dem Teamkapitän also noch groß passieren außer dass er mit seiner Truppe ins EM-Finale kommt (ui, jetzt hab ich's doch noch verschrie'n!). Fröhlich trällert Christian Fuchs im aktuellen Werbespot für T-Mobile also die Pippi-Melodie und hat sichtlich seinen Spaß dabei. Auch sonst sorgt er in den sozialen Medien und bei „Willkommen Österreich“ als #NoFuchsGiven für Furore. Wir finden's cool, widewidewitt!

Außer Konkurrenz: Sebastian Prödl – schoaf wia a Steira

Mit seinen Teamkollegen kann der sympathische Steirer – was Werbung betrifft – noch nicht ganz mithalten. Gerade deshalb sticht seine Kooperation mit SteirerKren ins Auge! Denn die scharfe Wurz'n ist nur was für echte Steirer. So bleibt die Nase frei und das Hirn klar – wenn das keine guten Voraussetzung für einen Verteidiger sind!

Fotos: Steindy (4), SteirerKren